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Die neue Aufnahme von Maria Lettberg ist Anfang April 2011 erschienen: Die Klavierwerke von Erkki Melartin. Dieses Mal wird wiederentdeckt, es wird lyrisch und folkloristisch: Das Fachmagazin Fono Forum (06.2011) beurteilte die Interpretation mit der Höchstzahl von fünf Sternen (zum Artikel). RBB Kulturradio am 29.04.2011 findet sie "großartig" (hier).
Überblick über die eingespielten Werke (als Pdf).
Ein Gespräch mit Maria Lettberg
Wie und wann haben Sie die Klavierwerke von Erkki Melartin für sich entdeckt? In der 90er Jahren hat mein Klavierstudium mich auch nach Helsinki geführt. Dort, in einem Konzert an der Sibelius Akademie, habe ich ein merkwürdiges Klavierwerk gehört, das sich anschließend einige Tage in meinem Kopf gedreht hat. Es war Der Traurige Garten von Erkki Melartin. Ich war ziemlich überrascht, dass ich von diesem Komponisten zuvor niemals gehört hatte, obwohl seine Klaviermusik so frisch, individuell (und absolut „finnisch“) klang. Damals habe ich mir gesagt: wenn du dich in der Zukunft mit der finnischen Musik beschäftigen solltest, mußt du unbedingt auch etwas von Melartin spielen.
Wie ist diese Aufnahme überhaupt entstanden, warum wollen Sie „Klavierraritäten“ aufnehmen? Schon während der Skrjabin-Aufnahme hat man mich häufiger gefragt: was kommt als Nächstes? Capriccio (bzw. dann Crystal) hat mir vorgeschlagen zwei CDs in der Serie Pianorarities zu machen. Ich hatte also die Freiheit, wieder selbst Musik zu wählen, die mich interessierte.
Wie entscheiden Sie sich, ob es sich lohnt, sich mit einem Werk näher zu beschäftigen? Ich muss ein Stück immer am Klavier ausprobieren. Ohne Instrument kann ich natürlich die Noten analysieren; dadurch verstehe ich die musikalische Struktur und die Sprache, aber fühlen kann ich nur am Klavier und das Bauchgefühl ist mir sehr wichtig, weil ich genug Erfahrung und Kenntnisse habe, um meiner Intuition zu vertrauen. Ich bin überzeugt dass eine CD (wie ein Konzertprogramm) eine gewisse Geschlossenheit haben muß; es soll eine Einheit sein und nie nach Prinzipien wie „was spiele ich am besten“ ausgewählt werden! Mit Melartins CD wollte ich ganz einfach die Vielfalt dieses Komponisten zeigen. Für mich ist es im Moment am interessantesten, das Schaffen eines Komponisten sehr tief kennenzulernen. Damit erfasse ich alles besser – und ich glaube, dass mein Publikum die Musik dann auch besser verstehen wird. Das soll aber nicht heißen, dass es immer bei diesem Ansatz bleibt. Mir schweben z. B. für die Zukunft auch mehr programmatisch geprägte CDs vor, ganz abgesehen von meinen Konzerten, bei denen ich ohnehin in diese Richtung tendiere.
Was bedeutet es Ihnen, vor Publikum aufzutreten, im Vergleich zur Aufnahme? Ich finde es viel einfacher, im Konzert aufzutreten. Die Aufnahmesituation provoziert einen teuflischen Perfektionszwang. Wenn man eine CD macht, denkt man, oder jedenfalls ich, doch irgendwie an die Ewigkeit – du kannst danach nichts mehr ändern. Die CDs leben gewissermaßen ein eigenes Leben – egal ob kurz oder lang. Ein Konzert existiert nur hier und jetzt (und dann in der Erinnerung); es geht viel mehr um das Menschliche, die Frage, ob der Funke zum Publikum überspringt, ob ich mit den Mitteln meines pianistischen Könnens den Menschen, die mir zuhören, etwas mitteilen kann.
Was aber macht nun die Musik Melartin für sie besonders und interessant? Mir scheint, die finnische Kultur (so auch die Musik) stehen etwas abgesondert innerhalb Skandinaviens da. Das liegt vielleicht an der Sprache, der finnischen Volksmusik und Folklore (Kalevala) und auch der Geschichte, zu der die russischen Herrschaft gehörte, bevor die Finnen es schafften, sich zu befreien. Finnland wollte immer eigene Wege gehen und das kann man sehr deutlich in der finnischen Kultur spüren: vom finnischen Tango bis zu Einojuhani Rautavaaras Musik, von Mumin-Trollen bis zu Aki Kaurismäkis Filmen. |
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